Kein Mann spricht gern darüber: Erektile Dysfunktion, auch Erektionsstörung oder Impotenz genannt. Dabei leidet fast ein Drittel der Männer über 60 darunter. Aber auch jüngere Jahrgänge sind davon betroffen, die Dunkelziffer ist hoch. Viele Männer scheuen bei diesem Tabuthema den Gang zum Arzt. Doch mit geeigneten Maßnahmen lässt sich bei vielen wieder Schwung in das Liebesleben bringen.

Symptome einer Impotenz

Bei Männern, die nicht in der Lage sind eine Erektion zu bekommen zeigt sich das offensichtlichste Symptom einer Erektilen Dysfunktion. Manche Männer haben gelegentliche Schwierigkeiten eine Erektion zu bekommen oder zu halten, was manchmal noch als normal angesehen wird.

Tritt das Problem jedoch häufig auf oder hält es lange an, ist es an der Zeit sich an einen Arzt zu wenden. Für eine Erektionsstörung kann es viele Ursachen geben, die manchmal sogar auf ein anderes Gesundheitsproblem hinweisen. Das Verständnis für die Anzeichen und Ursachen ist der erste Schritt zu einem besseren Sexualleben.

Häufige Symptome einer Erektionsstörung sind:

  • Schwierigkeiten eine Erektion zu bekommen
  • Probleme eine Erektion über längere Zeit aufrecht zu erhalten
  • Reduzierter Sexualtrieb
  • Verlegenheit und Schuldgefühle
  • Verlust der Selbstachtung

Einige andere sexuelle Störungen sind mit der Erektilen Dysfunktion verbunden und können ähnliche Symptome zeigen:

  • Vorzeitige Ejakulation
  • Verzögerte Ejakulation
  • Die Unfähigkeit nach ausreichender Stimulation einen Orgasmus zu erreichen

Männer, die anhaltende Probleme haben eine Erektion zu bekommen oder zu behalten, sollten einen Arzt aufsuchen. An einen Fachmann sollten sie sich ebenfalls bei frühzeitiger oder verzögerter Ejakulation wenden. Manche Männer schämen sich, einem Arzt von diesen Symptomen zu erzählen. Dazu gibt es keinen Grund, denn die Aufgabe des Arztes ist, den Patienten zu helfen und eine erfolgreiche Behandlung für diese Erkrankung durchzuführen.

Der Hausarzt ist ein guter Anfang, in vielen Fällen ist jedoch eine Überweisung an einen Urologen sinnvoll. Urologen haben sich auf die Behandlung des Harntraktes und des männlichen Fortpflanzungssystem spezialisiert. Der Patient sollte offen und ehrlich mit dem Arzt über seine Probleme sprechen.

Der Arzt wird außerdem Fragen zu verordneten Medikamenten und zu anderen gesundheitlichen Problemen stellen. Auch der Konsum von Alkohol und Tabak wird ein Thema sein, ebenso Fragen zu Veränderungen im Leben des Patienten, welche die psychische Gesundheit beeinträchtigen können, wie zum Beispiel der Tod eines geliebten Menschen, Jobverlust, Schwierigkeiten in der Beziehung, etc.

Häufige Ursachen von erektiler Dysfunktion

Eine Erektion kommt zustande, wenn der Penis sich mit Blut füllt. Normalerweise geschieht das bei einer sexuellen Erregung. Dann arbeiten Blutgefäße, Nerven, Muskeln und Hormone zusammen, um eine Erektion zu erzeugen.

Eine Erektionsstörung kann auftreten, wenn dieser Prozess gestört ist. Bei machen Männern treten diese Symptome nur gelegentlich auf, andere leiden konstant daran und es kommt zur Beeinträchtigung ihrer sexuellen Beziehung.

Eine erektile Dysfunktion ist ein sehr komplexer Zustand, der von einer Vielzahl Faktoren beeinflusst werden kann. In vielen Fällen ist nicht nur ein einzelnes Problem für die Erkrankung verantwortlich. Aus medizinischer Sicht können folgende physikalische Symptome Ursachen für eine Erektionsstörung sein:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Herzerkrankungen oder Arteriosklerose
  • Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Schlaganfall
  • Parkinson-Krankheit
  • Chronisches Nierenleiden
  • Nervenerkrankungen
  • Schlafstörungen

Auch Medikamente können zu Erektionsstörungen beitragen. Hier sind besonders Diuretika (den Harnfluss erhöhende Mittel), Medikamente gegen Bluthochdruck, Antihistaminika, Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Anti-Krampf-Medikamente und Muskelrelaxantien (Mittel zur Entspannung der Skelettmuskulatur).

Auch die Gabe von Hormonen und Medikamenten zur Chemotherapie haben eine beeinträchtigende Wirkung. Es ist wichtig, dass der Arzt über alle einzunehmenden Medikamente informiert wird. Erektionsstörungen können außerdem auf erhöhten Tabak- oder Alkoholkonsum zurückzuführen sein.

Neben den medizinischen Ursachen gibt es auch psychologische Gründe, die zu einer erektilen Dysfunktion führen können. Diese Ursachen sind:

  • Angstzustände
  • Depressionen
  • Stress
  • psychische Störungen
  • Beziehungsprobleme

Nicht selten treten medizinische Ursachen in Begleitung von psychischen Problemen auf.

Ursachen einer Impotenz

Die Diagnose - Was geschieht beim Arztbesuch?

Zur Diagnose einer Erektionsstörung führt der Arzt eine Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden durch. Dazu können physische als auch psychische Untersuchungen eingesetzt werden. Der Patient wird außerdem nach seiner medizinischen und sexuellen Vorgeschichte gefragt.

In einigen Fällen sind eventuell umfangreichere Untersuchungen erforderlich, beispielsweise um zu ergründen, ob der Patient an anderen Krankheiten leidet, welche die Erektionsstörung verursachen können. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um die wirksamste Behandlungsmethode zu finden.

Ermittlung der medizinischen und sexuellen Vorgeschichte (Anamnese)

Ganz am Anfang der Diagnostik steht die sogenannte Anamnese. An dieser Stelle befragt der Arzt den Patienten nach seinen Beschwerden und deren Auftreten. Sehr aufschlussreich sind auch Informationen zu früheren Erkrankungen, die innerhalb der Familie aufgetreten sind. Der Arzt wird sich nach verschriebenen und zusätzlich gekauften Medikamenten erkundigen und Fragen zum Drogen-, Alkohol- und Tabakkonsum stellen.

Informationen zur sexuellen Vorgeschichte können für den Arzt auch sehr wichtig sein deshalb könnten folgende Fragen gestellt werden:

  • Wann wurde die Erektionsstörung zu ersten Mal festgestellt?
  • Welches sind die Hauptsymptome?
  • Wie oft besteht eine Erektion?
  • Wie lange dauert die Erektion?
  • Besteht die Erektion am Morgen oder am Abend?
  • Welche sexuellen Praktiken werden angewendet?
  • Gibt es Probleme in der Beziehung?
  • Gibt es Probleme mit dem Sexualtrieb oder der Erregung?

Für den Patienten ist es wichtig, die Fragen ehrlich zu beantworten, damit der Arzt den Zustand genau beurteilen und eine Behandlung einleiten kann.

In den meisten Fällen wird der Arzt nach der Anamnese mit einer körperlichen Untersuchung beginnen, um ein genaues Bild vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten zu bekommen. Der Arzt wird dann Penis und Hoden begutachten, um eventuelle Abweichungen festzustellen. Zur Überprüfung der Prostata erfolgt anschließend eine rektale Untersuchung. Die Tests sind nicht schmerzhaft, können dem Arzt aber nützliche Informationen über die Erkrankung liefern.

Psychische Gesundheitsprüfung

Einige psychische Erkrankungen haben Auswirkungen auf die Erektion. Aus diesem Grund wird der Arzt vielleicht Fragen nach Angstzuständen, Depressionen, Stress oder anderen psychischen Ursachen stellen. Falls eine psychische Erkrankung vorliegt kann eine Überweisung zum Psychologen erfolgen.

Andere Diagnosemöglichkeiten

Für eine ausreichende Diagnose sind möglicherweise noch andere Untersuchungsmethoden erforderlich. Zu den wichtigsten gehören:

Urin-Test – Dieser Test kann Hinweise auf Diabetes und andere Gesundheitsprobleme liefern.

Bluttest – Durch die Entnahme einer Blutprobe können Herz- und Nierenerkrankungen, niedriger Testosteronspiegel, Diabetes und andere Faktoren ermittelt werden.

Ultraschall – Mit Ultraschall werden die Blutgefäße untersucht, die dem Penis Blut zuführen. Dadurch können Probleme mit der Blutversorgung ermittelt werden. In einigen Fällen wird der Arzt eine Injektion in den Penis vornehmen, um eine Erektion zu verursachen. Durch Ultraschall kann dann verfolgt werden, wie sich Blutfluss und Druck im Penis verändern.

Bulbocavernosus-Reflex – Der Arzt drückt auf den Kopf des Penis, um zu sehen, ob der Anus sofort kontrahiert. Andernfalls könnte ein nervliches Problem zugrunde liegen.

Penile Biothesiometrie – Mit einem elektromagnetischen Vibrationsgerät wird die Empfindlichkeit und Nervenfunktion des Penis überprüft.

Kavernosographie – Um ein venöses Leck zu finden, wird ein Farbstoff in den Penis injiziert. Auf der anschließenden Röntgenaufnahme kann der Arzt ein venöses Leck entdecken.

Die Behandlung der erektilen Dysfunktion

Männern mit Erektionsstörungen stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Schwere der Erkrankung und anderer gesundheitlicher Probleme ab.

Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen

Orale verschreibungspflichtige Medikamente (Viagra, Cialis, Levitra und Spedra) können die Wirkung von Stickoxid verstärken. Dadurch werden die Muskeln im Penis entspannt und eine Verbesserung der Füllung des Penisgewebes ermöglicht.

Andere Medikamente werden in den Penis injiziert, um eine Erektion auszulösen. Bei Männern mit einem niedrigen Testosteronspiegel ist eine Testosteron-Ersatztherapie angezeigt. Alle Medikamente können Nebenwirkungen haben, die vorher mit dem Arzt abzuklären sind.

Rezeptpflichtige Potenzmittel

Die Gabe entsprechender Medikamente fördert den Blutfluss im Penis durch Erhöhung von Stickoxiden. 80 bis 100 Prozent aller Männer erfahren durch die Einnahme eine Verbesserung ihrer Situation. Alle der folgenden Medikamente sind nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Zu den häufigsten oralen Mitteln gehören:

  • Viagra mit dem aktiven Wirkstoff Sildenafil
  • Cialis mit dem aktiven Wirkstoff Tadalafil
  • Levitra mit dem aktiven Wirkstoff Vardenafil
  • Spedra mit dem aktiven Wirkstoff Avanafil
Potenzmittel zur Behandlung von Impotenz

Viagra ist oft das erste Medikament, das Ärzte verschreiben. Es ist am längst auf den Markt und die Nebenwirkungen sind bekannt. Neuere Präparate wie Stendra können weniger Nebenwirkungen haben. Die Dosierung hängt vom Zustand des Patienten ab. Die Medikamente nach Bedarf vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Muskelkater
  • Verstopfte Nase

Die Einnahme dieser Medikamente bei Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz oder niedrigen Blutdruck kann gefährlich sein.

Vakuumpumpen

Vakuumpumpen, auch bekannt als Penispumpen, können beim Aufbau einer Erektion helfen. Dabei wird der Penis in eine Röhre gesteckt und die Luft im Innern abgesaugt. Durch diese Aktion wird Blut in den Penis gezogen. Nach Erreichen der Erektion kann die Pumpe entfernt werden. Ein elastischer Ring hilft bei der Aufrechterhaltung der Erektion. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören ein Bluterguss am Penis, Hautreizungen und eine geschwächte Ejakulation.

Penisimplantate oder Penisprothesen

Bei einem chirurgischen Eingriff werden Prothesen in den Penis eingesetzt. Diese Option wird normalerweise nur empfohlen, wenn andere Methoden fehlgeschlagen sind. Die Operation dauert etwa eine Stunde und erfordert eine Anästhesie. Ungefähr einen Monat nach der Operation ist die Prothese einsatzbereit.

Zur Erektion wird der Penis mittels einer Pumpe mit einer Flüssigkeit gefüllt. Nach der Entleerung kehrt der Penis in den schlaffen Zustand zurück. Zu den Nebenwirkungen dieser Methode gehören Infektion oder Fehlfunktion der implantierten Geräte.

Testosteron-Therapie zur Behandlung von Erektionsstörungen

Bei niedrigem Testosteronspiegel kann der Arzt eine Testosterontherapie empfehlen. Dabei wird das Hormon in Form von Pflastern, Cremes, Pellets oder Injektionen verabreicht. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang:

  • Vergrößerte und geschwollene Brüste
  • Akne
  • Atmungsstörungen beim Schlafen
  • Hodenschrumpfung
  • Knöchelschwellung
  • Probleme beim Urinieren
  • Vergrößerte Prostata
  • Wachstum von bestehenden Prostatakrebs
  • Blutbild der roten Blutkörperchen
  • Erhöhtes Risiko zu Blutgerinnseln

Wer übernimmt die Kosten?

Nicht immer werden alle Kosten einer Behandlung der erektilen Dysfunktion von den Krankenkassen abgedeckt. Deshalb sollte vorher mit der Kasse gesprochen werden. Gesetzlich Krankenkassen sind größtenteils zur Übernahme der Kosten verpflichtet, private Kassen müssen sie nur übernehmen, wenn die Behandlung erektiler Dysfunktion im Leistungsverzeichnis aufgeführt ist.

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Quellen:

  1. Feldman HA1, Goldstein I, Hatzichristou DG, Krane RJ, McKinlay JB.: Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study. In: National Center for Biotechnology Information, U.S. National Library of Medicine. URL: ncbi.nlm.nih.gov, abgerufen am 5. Juni, 2018.
  2. One Patient out of four with newly diagnosed erectile dysfunction is a young man. Paolo Capogrosso MD et al (2013). URL: onlinelibrary.wiley.com, abgerufen am 5. Juni, 2018.
  3. Stief CG, Hartmann U, Höfner K, Jonas U: Erektile Dysfunktion und Therapie. Berlin: Springer-Verlag, 1997.
  4. Erektile Dysfunktion (Potenzstörung, Erektionsstörung, Impotenz). In: Apotheken-Umschau. URL: apotheken-umschau.de, abgerufen am 5. Juni, 2018.
  5. Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion). Herausgeber: Deutscher Verlag für Gesundheitsinformation GmbH. URL: urology-guide.com, abgerufen am 5. Juni, 2018.
  6. Herbert Sperling, Uwe Hartmann, Wolfgang Weidner, Christian Georg Stief: Erektile Dysfunktion: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Herausgeber: Deutscher Ärzteverlag GmbH: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 102, Heft 23. URL: www.aerzteblatt.de, abgerufen am 5. Juni, 2018.
  7. Montorsi F, Deho F, Salonia A, Cestari a, Guazzoni G, Rigatti P, Stief CG: Pharmacological management of erectile dysfunction. BJU Int 2003; 91: 446–454.
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